Zusammenfassung Wintertrekking Femundsmarka Nationalpark Ostnorwegen

Im Januar in eine der kältesten Regionen Europas. Bei – 24C 10 Tage draßen leben, eine Aufgabe, ein Abenteuer, ein Erlebniss das man nicht mehr vergisst.

Anreise:

Wir fuhren über deutsche Autobahnen in Richtung der Insel Fehmarn in Deutschland. Von Puttgarden setzten wir mit der Fähre nach Rotby in Dänemark über. Wir entschlossen uns diesmal über die Fähre von Helsingborg nach Helsingor überzusetzen, dies bietet sich an wenn man nach Süd Schweden oder Ost Norwegen möchte. Wir fuhren über Oslo in Richtung Norden als wir um 5:00 Uhr in der Früh in der Gemeinde Engerdal angekahmen, zeigte das Thermometer im Auto -24° an. Wir wussten das Rathaus macht erst um 8:00 Uhr auf dort wollten wir uns über die staatliche Fischereiabgabe informieren. Wir versuchten im Auto ein wenig zu schlafen, doch mir war so bitter kalt das ich meinen Schlafsack von hinten vorzog und ihn über mich legte und trotzdem kaum Ruhe fand.

Wir tankten das Auto voll, anschließend fuhren wir über komplett verschneite Straßen mitten durch den wundervollen dichten Nadelwald Richtung der 150 Einwohner großen Stadt Elga die am Ostufer des 60km langen See Femunden liegt. Wir parkten das Auto am 3 Januar auf dem Langzeitparkplatz in Elga nicht weit entfernt vom Nationalparkcenter. Es ist ein bewachter Parkplatz auf dem man sein Auto ein paar Tage oder gar Wochen stehen lassen kann die zehn Tage haben uns circa 20 € gekostet.

Es geht los:

Den ersten Tag stiefelten wir durch Tiefschnee im Wald bis wir völlig erschöpft im dunkeln unser Lager im Wald errichteten. Am zweiten Tag sind wir erst um 9:30 aufgewacht. Wir machten uns auf den Weg in Richtung Revlingsjön, einen für Norwegens Verhältnisse kleinen See. Als wir oberhalb der Baumgrenze auf ca 800 Metern eine große Freifläche sahen schluckten wir kräftig. ,, da müssen wir hoch ,, Eine Stunde später sahen wir das vermutete Ende der Steigung, was aber keines war, es ging weiter und weiter Berg auf.

Der Wind tobte so heftig das ich mir meine Skibrille aufsetzte, welche verhinderte das die Eiskristalle in meine Augen peitschten. Plötzlich als ich halt schrie, standen wir vor einem 10 Meter hohen Abgrund, den mann kaum gesehen hatte. Der Schneesturm machte alles weiß und ich erkannte die Konturen erst als Timo schon mit dem Schneeschuh einen Meter unten im Hang hing. Ich zog sofort mein Rucksack ab, schnallte den Zuggurt der Pulka ab und half ihm da wieder hoch zu kommen. Phuuu Glück gehabt da hätte es uns ordentlich hingehauen, wir waren ziemlich sicher das es eine große Schneedüne war und unsere Pulkagestänge bei einem Abgang gebrochen wären. Unsere Kräfte schwindeten, es wurde langsam dunkel (15:00), die eisig kalte Luft, der starke Wind, ich hätte echt Angst wir müssten irgendwo eine Schneehöhle graben und dort nächtigen, den auch das Zelt hätte diesem Wind nie Stand gehalten. Mir wurde klar, das die geplante Strecke mit ca 7-9 Tageskilometern viel zu lang war.

Das strich ich ab diesem Moment völlig aus meinem Kopf heraus. Hinzukommt das wir seit 5 Stunden unterwegs waren und nur eine 0,75 Liter Thermoskanne dabei hatten die auch schon leer war. Als wir uns dann nach einer lautstarken Diskussion für eine Richtung entschieden hatten und eine weitere halbe Stunde unser schweres Gepäck hochzogen, kamen wir endlich am höchsten Punkt auf 1250 m an und es ging nur noch eben weiter und ein wenig später hinab im Tiefschnee in ein kleines Tal. Es war plötzlich absolut Windstill, das beeindruckte uns sehr. Als wir im Dunkeln zum See liefen sahen wir ein Licht in der Ferne. Das war für die nächsten 4 Tage alles was wir von Fremden Menschen sahen. Es verschwand und wir wunderten uns was das gewesen seien mag. Es ist unglaublich beeindruckend tage lang keine Menschenseele zu sehen oder zu hören. Völlig erschöpft aber glücklich schlugen wir das Lager auf dem 45cm dickem Eis auf, was fast 2 Stunden dauerte. An diesem einsamen Ort blieben wir die nächsten 3 Nächte um Kraft zu sammeln. Denn auch die tägliche Routine braucht Zeit und Geduld. Die Nächte waren laut der Wind peitschte gegen das Zelt, es schneite herein.

Wir durchbohrten einige Male die 45 cm dicke Eisschicht und Eisangeln zu können, hatten aber keinen Erfolg.

Wir wollten eigentlich jeden Tag an einem anderen See sein, was wir uns aber sofort aus dem Kopf schlugen. Es ist viel zu anstrengend und es dauert alles so viel länger als wir dachten. Also beschlossen wir uns nicht weiter vom Femunden wegzubewegen sondern in seiner Nähe zu bleiben. Wir gingen die verschneiten Hänge entlang auf einer 3 Tage alten Schneemobilspur, was das laufen im Gegensatz zum Tiefschnee ein wenig erleichterte. Als wir nach einem 2,5 stündigen Fußmarsch mit ständigem auf und ab hinter einigen Hügeln Huskies bellen hörten waren wir ein wenig erleichtert wir wussten von dieser Hütte aus ist es nicht mehr alt zu weit zum See. Uns kam ein Mann mit Skiern entgegen der von einem Husky an einem Seil gezogen wurde. Einfach ein toller Anblick. Ab der Hütte Svukuriset die vom DNT (norwegischen Wanderverein) betrieben wird, ging eine verschneite Straße, die sich um Welten besser laufen lies Richtung See. Wir waren erleichtert dass es sich so gut laufen lässt.

Am Femunden angekommen sahen wir wie die Sonne untergeht, es war wunderschön anzusehen wie sie den Himmel rot erstrahlen lässt. Wir schlugen unser Zelt auf und bemerken, dass es windstill ist. Doch wir wollten uns nicht zu früh freuen, denn der erste Abend war auch windstill und trotzdem knallte der Wind gegen unser Zelt und macht es fast unmöglich ruhig zu schlafen. Also waren wir guter Dinge und tatsächlich hatten wir jeden der letzten vier Tage kaum Wind. Das Gefühl über einen 60 km langen See der circa 5 km breit ist zu gehen war atemberaubend. Diese Ruhe und Einsamkeit zu spüren ist unbeschreiblich. Ich finde es toll das es noch solche Orte gibt. Das Thermometer befand sich in den letzten Tagen zwischen -8 und -15°. Als wir eines Morgens aufwachten spürten wir dass es heute etwas kälter ist ich bin raus und habe aufs Thermometer geschaut. -20 Grad ist ganz schön kalt dachte ich. Doch das war noch nicht alles die Temperatur sank tagsüber bei strahlendem Sonnenschein auf -24°. Alles war gefroren die Milch, die vor- gekochten Eier, die Zahnpasta, die Hand Cream alles war gefroren. Menschen sahen wir wenig es fuhr ein bis zweimal am Tag ein Schneemobil über den See, ziemlich cool sah dies aus als wir einen Hund hinten drauf erkannten der scheinbar viel Spaß hatte das er mit 50 Sachen Kopilot spielen kann.

Viele fragten mich bereits was wir den ganzen Tag gemacht haben. Der Morgen begann fast immer gleich ich als Frühaufsteher stand auf und machte den Ofen an eine halbe bis Stunde später wachte Timo die Nachteule dann auf. Wir wunderten uns das wird doch immer recht lang geschlafen haben, den wir sind ohne Wecker so zwischen sieben und 9:00 Uhr aufgestanden. Tagsüber angelten wir einmal liefen wir über den See ans andere Ufer. Am Tag davor gingen wir auf einen kleineren Berg um die Aussicht zu genießen. Auf dem Rückweg machten wir ein Lagerfeuer und grillten uns ein paar Würstchen und Brot. Ich muss sagen ich fand es schon ein wenig beängstigend als Timo ins mit der Axt ins Eis schlug um Löcher zu machen und einen Riesenriss über den See und der See und das Eisriss unter uns. Als wir eines Morgens zu den Löchern gingen und die anderen Angeln  zu platzieren sagen wir frische Spuren von einem Tier. Es konnte nur ein Elch gewesen sein, sie gingen fast über den halben See und wieder zurück in den Wald. Eines Morgens stand ich um 5:15 Uhr auf um Tiere zu beobachten allerdings vergebens weit und breit nichts zu sehen. Doch diese klirrende Kälte, die Einsamkeit, die Ruhe und die endlos scheinende Weite löste an diesem Morgen in mir ein einzigartiges Gefühl aus.

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Es war nicht immer einfach in dieser Kälte. Doch genau das ist es was mir gezeigt hat wie still und unberührt aber auch furchteinflösend unsere Natur sein kann. Ich liebe die Natur schützt sie mit allen Mitteln.

Mehr Bilder gibt es in der Galerie.

3 Kommentare zu „Zusammenfassung Wintertrekking Femundsmarka Nationalpark Ostnorwegen

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